







Wanderführer ist Uwe Heitkamp (Journalist, 52). Er lebt seit 20 Jahren in Portugal. Er ist Gründer der mehrsprachigen Wochenzeitung www.algarve123.com 
Die Via Algarviana beginnt an der spanisch-portugiesischen Grenze und ist die spannendste Wanderroute im Süden Europas. Am Grenzfluss zwischen Andalusien und Algarve, dem Guadiana, liegt Alcoutim, ein kleines, völlig verschlafenes Nest, auf der portugiesischen Seite. Man kann da recht gut essen, sich ausruhen und dem Wasser hinterhergucken, wie es irgendwo, 50 km weiter südlich, dann in den Atlantik fließt. In Alcoutim beginnt die Via Algarviana.
Von dort windet und schlängelt sie sich per Trampelpfad über Hügel und durch Täler, durch Flüsse und über Berge. Die Küste mit irgendwelchem Tourismusgedöns liegt fern im Süden. Also, wir gehen dann mal los: jeden Tag rund 25 km. Wir kommen durch kleine Dörfer, wo die traditionelle Landwirtschaft noch etwas zählt. Wenn Sie dann Ihre Beine fühlen und sich sagen, „HILFE, ich kann nicht mehr“ ist's nicht mehr so weit bis zur nächsten Herberge. Jeden Tag geht's ein bisschen weiter. Insgesamt sind es circa 340 Kilometer. Sie merken, diese Tour ist nix für „weiche Eier“. Sie sollten schon mal irgendwie zu Fuß unterwegs gewesen sein und die richtigen Wanderschuhe anhaben, besonders wenn's hoch ins Gebirge geht. Die Ankunft am Ende der Welt, dem Südwestkap Europas, gelingt uns dann 13 bis 14 Tage später. Dort rauschen die Wellen des Atlantiks in die Felsen. Hier ist das Ende der Welt und das Ende der Via Algarviana. Am Meer. Am Strand. Wollen Sie noch mehr wissen? Dann lesen Sie einfach weiter.
ALGARVE? WANDERN. GO WEST!
In Portugal dauert alles immer etwas länger. Das ist wie mit Dornröschen. Manchmal ist das gut so. Denn dann bleibt Natur erhalten. Diese Fernwanderung ist nach zwölfjähriger Planung heute fast immer ausgeschildert, auch wenn manchmal noch ein paar Wanderer verloren gehen. Denn in Portugal wird Portugiesisch gesprochen, kein Deutsch. Es kann aber sein, daß mal wieder irgendwelche Jäger irgendwelche Schilder geklaut oder sie aus Jux umgestellt, oder die Steine mit den Zeichen anderseherum gelegt haben. Neulich gingen zwei Amis aus Texas die Via Algarviana, und sie fanden das gar nicht spaßig, daß sie zwei Tage im Kreis herumliefen. Sie sind dann mit dem Linienbus weitergefahren. Sehr zum Ärger aller. Denn der Jäger ist der natürliche Feind des Wanderers in Portugal. Gott sei Dank dürfen die Jäger nicht im Frühjahr (Januar bis Juni) ballern, dann ist Brutzeit, und Jagen gesetzlich verboten. Oft ist es deshalb von Vorteil, mit einem Wanderführer die Via Algarviana zu gehen. Er kennt nicht nur die Strecke genau, sondern beherrscht auch noch die Sprache. Ich lebe seit 20 Jahren in Portugal, bin von Beruf Journalist und Wanderführer - und kann Ihnen viele wahre und unwahre Geschichten erzählen...
Zum Wandern gehört auch manchmal die Logistik. Heute verhungern Wanderer nicht mehr in Portugal, so wie früher, wenn man alle paar Kilometer auf verhungerte Menschen am Wegesrand stieß. Die Via Algarviana wurde bereits im 4. Jahrhundert als Pilgerstrecke gegangen, zu den Gebeinen des Heiligen Vincent, an das Südwestkap. Portugal ist aber seit 1986 Mitglied der EU und wurde in der Zwischenzeit recht gut gefüttert. Die Frage, „Wo essen, wo schlafen“ stellt sich also nicht mehr. Man fragt besser, WIE essen und WIE schlafen? Diese Fragen können nun auch zur Zufriedenheit der meisten beantwortet werden. Sie müssen nicht mehr unter freiem Himmel schlafen, brauchen kein Zelt und keinen Schlafsack mehr mitschleppen, wenn Sie nicht möchten. Es gibt Einzel- und auch Doppelzimmer in privaten Gästehäusern mit richtig guten Matratzen. Zu essen gibt es nicht nur genug, sondern auch landestypisch, was heißt, daß ich mit Ihnen die einheimische Küche testen werde. Und es gibt fast jeden Morgen richtig frisches Bauernbrot mit Käse und Chouriço. Natürlich gehen wir während auf der Via Algarviana auch von einem Gasthaus zum anderen. Doch einmal während der Tour werde ich sogar für Sie kochen.

Die Via Algarviana ist fabelhaft im Frühling zu gehen! Nach der Mandel- Orangen- und Mimosenblüte, und nach den ergiebigen Winterregenfällen, taucht die Frühlingssonne die Landschaft in ein Meer von Zistrosen, würzen aromatische Wildkräuter die Luft, wehen milde Winde. Wir werden Adler zu sehen bekommen, Otter, Füchse, Marder und viele andere schöne Tiere. Wir wandern durch Korkeichenwälder, unter machen Rast unter Schirmpinien. Wenn Sie möchten, können Sie sogar einen Baum selbst pflanzen und sich im Wiederaufforstungsprojekt verewigen. Zu Ostern gibt die Via Algarviana die richtige Stimmung und wird Ihnen noch lange in guter Erinnerung bleiben. Ein wichtiger Hinweis: Sie sollten die Via Algarviana auf keinen Fall im Sommer gehen. Da verbrennt Ihnen die Sonne den Kopf. Es ist nicht nur zu heiß, nein, es ist zu trocken, es ist zu staubig und es besteht immer irgendwo die Gefahr eines Waldbrandes. Auch deshalb, nehmen Sie sich am besten einen Freund mit auf den Weg, oder eben einen Wanderführer.
Und noch einmal: die Via Algarviana ist nichts für großstadtgeübte Spaziergänger auf dem Weg ins nächste Café. Sie benötigen einen guten Rucksack, dieser sollte auf keinen Fall mehr als 8-10 kg wiegen. Und es ist immer von Vorteil, neben Wasser, auch Studentenfutter in der Tasche zu haben. Lesen Sie bitte deswegen auch, was Sie sonst auf jeden Fall noch mitnehmen sollten. Viel Spaß…
Wichtig auf der Via Algarviana sind gutes, wasserdichtes Schuhwerk, Rucksack mit Regensachen, Sonnenhut, Sonnenbrille, Sonnencreme, Wanderstock, Wasserflasche, Taschenlampe, Kompaß, Mobiltelefon und Solar-Aufladegerät, Erste-Hilfe-Pack, Badehose, Waschsachen, Handtuch, Sandalen, Taschenmesser, Trillerpfeife.







